Trinkgeld fair aufteilen – Wer bekommt was !?

Trinkgeld fair aufteilen – Wer bekommt was !?

27. Dezember 2018 Aus Von Chefupdate



Trinkgeld fair aufteilen – Wer bekommt was !?




Wie das mehr oder weniger pflichtbewusst gegebene Trinkgeld auf die Angestellten verteilt wird, interessiert nur die allerwenigsten Gäste. Ist vielleicht auch besser so, denn die verborgene Tip-Problematik könnte dem einen oder anderen Besucher den Appetit und die Lust auf Großzügigkeit durchaus verderben.

Appetit auf das Trinkgeld-Thema haben allerdings auch die gastronomischen Betriebe kaum. „Wir wechseln gerade das System und können dazu nichts sagen“, hieß es aus einem angesehenen Restaurant in Essen. Andere wollten lieber gar nichts zum Tip verlauten lassen, Dritte baten um strikte Anonymität. Denn obwohl die Sache mit dem Zusatzverdienst rechtlich klar ist, soll Streit nicht geschürt werden. „Es gab bei uns schon Fälle, in denen sich Mitarbeiter beschwert haben, weil der Chef das Trinkgeld einbehält“, sagt Karin Vladimirov von der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten. Dabei ist unstrittig, dass solche Art obrigkeitlicher Klauerei nicht statthaft ist. Selbst die Pflicht, Geld in eine Gemeinschaftskasse einzuzahlen, lässt sich nie befehlen, sondern allenfalls durch Arbeitsverträge mehr oder weniger klar durchsetzen.

Feste Regeln

Die Frage der Verteilung mag im Eiscafé ums Eck, wo ohnehin nur eine einzige Mitarbeiterin bedient, unproblematisch sein, sie kann in großen Betrieben aber leicht zu Unstimmigkeiten führen. Vor allem größere Hotels und Restaurants haben deshalb feste Regeln eingeführt – Regeln, die von Outlet zu Outlet variieren können. „Bezüglich des Umgangs mit Trinkgeldern gibt es keine Direktive seitens der Hauptverwaltung“, sagt Maritim-Sprecherin Britt Winter, „dies regelt jedes Hotel individuell – üblicherweise wird im Team geteilt.“

Im Maritim Köln läuft es genauso, auch wenn unterschieden wird nach Food und übrigen Bereichen. „Die Restaurants teilen unter allen Mitarbeitern, die involviert sind“, sagt Kölns Maritim-Direktor Hartmut Korthäuer, „die übrigen Trinkgelder gehen in einen Fonds“. Womit schon mal das grundsätzliche Problem gelöst wäre, dass manche Mitarbeiter gar nichts vom Geld sehen, und manche große Summen einsacken. Anderswo funktioniert es anders. „Bei uns ist es so gewesen, dass jeder sein Trinkgeld selbst behält und nur einen kleinen Betrag abgeben musste“, sagt Herr R. aus Dresden. Und Herr L., Servicemitarbeiter in einem Münchner Szenelokal gibt folgendes Modell zu Protokoll: „Wir geben jeden Tag fünf Euro an die Küche ab, den Rest behalten wir.“ Dass die Köche, dass Putzleute und Officemitarbeiter bloß ein Almosen nach Laune des Service bekommen, hat Tradition und wird vom Saal-Personal gern und fahrlässig mit dem angeblich besonders niedrigen Kellnergehalt begründet – als ob ein Jungkoch das Doppelte eines Restaurantfachmanns verdienen würde! Sinn macht da eher die Methode, die Frau C. in Köln erlebt hat: „Bei uns gibt jeder Kellner die Hälfte seines persönlichen Tips für die Küche ab – gut für die Köche, gut für die Motivation jedes einzelnen Kellners.“


Doch selbst wenn alles aus dem sogenannten Topf, Fonds oder Tronc auf alle verteilt wird, wenn die Küchenmitarbeiter denselben Anteil bekommen sollten wie die Leute an der Gästefront, ist die Sache noch nicht ausgestanden. Ob und in welchem Maße Aushilfen und Leiharbeiter beteiligt werden, ob die leitenden Mitarbeiter überdurchschnittlich oder überhaupt profitieren, und wie Zimmermädchen versorgt werden (die manchmal im Zimmer Extratips finden), ist von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich geregelt. Am problematischsten wird die Sache aber ausgerechnet dann, wenn König Gast dazwischenfunkt. Wer nach einem ausgezeichneten Essen dem kassierenden Kellner einen Fünfziger mit der Bitte in die Hand drückt, diesen der Küche weiterzureichen, hebelt das fragile Verteilungssystem aus.

Kein Füllhorn mehr

Jedenfalls dann, wenn es überhaupt was zu verteilen gibt. In Teilen der Gastronomie hat die Großzügigkeit der Gäste beim Trinkgeldgeben nämlich nachgelassen. „Noch vor sechs Jahren konnte ich mit dem Trinkgeld allein den ganzen Monat finanzieren“, sagt Peter Ladinig, Sommelier im Kärntner Sporthotel Mölltal und Präsident des Serviceverbandes Österreich. „Heute sind wir davon weit weg.“ Und auch dort, wo sich die Summen nicht verringerten, werden sie offenbar nicht mehr mit der großen Kelle ausgeschüttet. „Die Leute geben nicht mehr wahllos jedem einen Betrag X, sondern schauen mehr auf Freundlichkeit und Leistung der Kellner“, sagt Danny Rossow, Oberkellner aus dem Salzburger St.-Peter-Stiftskeller. Noch ein Grund mehr, sich als Team zu verstehen und den Streit zu vermeiden.

Trinkgeld-Fehler

Als Chef Trinkgelder, die für den Service gegeben wurden, als Betriebseinnahmen einbehalten (etwa jene, die mit der Kreditkarte bezahlt wurden).

Als Geschäftsführer eines Restaurants Trinkgeldanteile für sich selbst aus dem Topf/Tronc nehmen.

Die Trinkgeldverteilung unklar regeln (besser: klar nach Betriebszugehörigkeit und Position oder gleichmäßig auf alle verteilen).

Köche, Spüler, Putzhilfen und andere Nicht-Servicemitarbeiter gar nicht berücksichtigen oder mit einem Almosen abspeisen.

Leitenden Mitarbeitern einen unangemessen hohen Anteil aus dem Tronc geben.

Aushilfen und Leiharbeiter völlig außen vor lassen.

Die Topf-Verteilung nicht regelmäßig oder in zu großen Abständen vornehmen.





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Quelle : AHGZ